
Das Konzert in der Passionskirche bildet den Auftakt der Saena-Tour 2008/09, in der Mohammad Reza Mortazavi sein neues Solo-Album Saena vorstellt. Mit Saena entwickelt er die in seiner CD Wind & Fire angelegte Auseinandersetzung mit Neuen Kompositionen für Tombak weiter. Mortazavi nutzt die traditionelle persische Handtrommel nicht allein als Rhythmusinstrument, sondern erschafft Stücke von melodischer Dichte, getragen von Harmonien und mehrstimmigen Klangstrukturen, die seinen Kompositionen assoziative, bilderreiche und dialogisch-erzählerische Strukturen verleihen. Sein einzigartiger Stil zeichnet sich durch die Entwicklung neuer Spieltechniken und Klangeffekte aus, die von virtuoser Kreativität und großer Sinnlichkeit zeugen. Man muss ihn Live sehen, um glauben zu können, dass es sich hier um reine Solo-Stücke handelt, so komplex und vielschichtig ist sein Klangspektrum.
Dem neuen Album hat Mortazavi den Namen des Vogels Saena gegeben. Dieses Fabelwesen aus der persischen Mythologie ist der König aller Vögel, der auf seiner Reise schließlich auf dem Simurgh-Baum, gewachsen inmitten des Meeres, landet. Beide, Vogel und Baum, stehen für Heilkraft und Leben. Assoziative Bilder eines Schöpfungsmythos zwischen Moderne und Tradition verbinden sich in den 8 Musiktiteln und nehmen den Hörer mit auf den Flug des Vogels über die Berge in die Stadt, zu den vielen Gesichtern der Menschen und durch Gefühlswelten, bis hin zu dem Punkt, an dem Ende und Anfang, Erinnerung und Neubeginn sich verbinden.
Das Konzert findet in der Passionskirche einen idealen Ort: weit über die Grenzen Berlins bekannt, steht sie für herausragende Veranstaltungen im Bereich der Weltmusik und des Jazz. Gleichzeitig bietet sie architektonisch eine hervorragende Atmosphäre und schafft Konzentration auf musikalische und assoziative Eindrücke.
»[...] Die Tombak ist ein höchst interessantes Instrument, dem mit Fell, Korpus und verschiedenen Handhaltungen weit über zehn Klangfarben zu entlocken sind. Mortazavi reizt dabei sämtliche Varianten aus, vom Einsatz von Fingernägeln auf dem Fell, Benutzen jeglicher Handteile, Fläche, Ballen, Finger einzeln und im Verbund, auch deren Knochen, über die verschiedenen Fellteile, ob die bassige Mitte, das trockene Randflächenfeld oder den harten, hellen Rand, bis zu den Holztönen des Korpus, das alles in routinierter (im besten Sinne) Geschwindigkeitsvarianz.« Enrico Ille
Mohammad Reza MortazaviMohammad Reza Mortazavi geboren 1978 in Isfahan, Iran, begann mit 6 Jahren Tombakunterricht zu nehmen. Er spürte schnell die Kraft der Musik und bereits mit 9 Jahren konnte ihm sein Lehrer nichts Neues mehr beibringen. Die kelchförmige Trommel bestimmte von nun an sein Leben, gleichaltrige Kinder weckten kaum sein Interesse. Die Musik fesselte ihn.
Mit 10 Jahren – wie alle darauf folgenden Jahre auch – gewann er erstmals den im Iran jährlich stattfindenden Tombak-Wettbewerb. Bereits mit 20 galt er als der beste Tombak-Spieler der Welt. Seine Auftritte vor begeistertem Teheraner Publikum waren immer ausverkauft. In seiner Auseinandersetzung mit dem Instrument und den technischen Möglichkeiten beginnt er das Tombak-Spiel kontinuierlich zu verbessern und zu revolutionieren, indem er die Grenzen des Traditionellen überschreitet, neue Fingertechniken und Klangvariationen entwickelt und hierfür eigene Stücke komponiert. Damit wird sein Stil richtungweisend.
Mit 22 Jahren reist Mohammad Reza Mortazavi das erste Mal nach Deutschland und tritt in München auf. Er veröffentlicht daraufhin in Deutschland mehrere CDs und ist auf verschiedenen Konzerten in Europa eingeladen, wo er Begeisterungsstürme auslöst.
2003 gewinnt er - als einer von über 600 Kandidaten - den Nachwuchspreis der Weltmusik auf dem renommiertesten Weltmusik-Festival Europas, dem Ruth -Festival in Rudolstadt.
19. Dezember 2008, 20 Uhr, Passionskirche Berlin
Marheinekeplatz 1 (U-Bahn Gneisenaustr.)
Abendkasse (ab 17 Uhr): 15/10 Euro
Kartenreservierung: 0177 - 260 72 26